Das italienische Potsdam

 

 

 

Nach dem Vorbild absolutistischer Herrscher lässt Friedrich II Sanssouci als eine „Maison de Plaisance“ bauen. Schon durch den hereingeholten Süden des terrassierten Weinbergs übertrifft dieses „Lustschloss“ seine Vorbilder an Eleganz.

 

August der Starke ließ in Dresden um Frauenkirche, Neumarkt und Zwinger herum von italienischen Künstlern und Handwerkern seinen gebauten Musenhof von „Elbflorenz“ entstehen.

 

Mit Friedrich II beginnt Berlin mit dem Forum Fredericianum als Residenzplatz unter den Linden, den Ruf vom „Spreeathen“ statt „Spreesparta“ zu erwerben.

 

Friedrich II versammelte in der Tafelrunde von Sanssouci die Philosophen der Aufklärung allen voran Voltaire. Der hatte Friedrich schon als Kronprinzen auf Schloss Rheinsberg mit Francesco Algarotti bekannt gemacht, einem Philosophen der Aufklärung, erfolgreichen Autor und kosmopolitischem Netzwerker aus Venedig. Algarotti war für Friedrich zugleich die große Liebe seines Lebens. Er genoss größere Freiheiten als alle anderen Philosophen der Runde. Eines Tages schreibt er Friedrich aus Venedig, er „würde gerne Palladio in Potsdam gebaut sehen“. Das geschieht dann mit dem Bauensemble des Alten Marktes, der Potsdamer Mitte, nach italienischen Vorbildern. Friedrich II wird so zum Bauherren und Künstler. Der stand zu lange im Bewusstsein der Deutschen im Schatten des preußischen Soldaten und Feldherren.

 

Wer ist Palladio? Nicht zuletzt durch seine „Quattro Libri dell’Architettura“ wird er zum folgenreichsten Architekten der Baugeschichte bis hin zum Weißen Haus in der englischen Kolonie Amerika.

 

Algarotti, der vielgereiste große Kulturvermittler hatte im Chiswick House von Lord Burlington in England, einem Nachbau der Villa Rotonda von Palladio, Lady Montagu kennengelernt. Die war nicht nur mit ihren „Briefen aus der Türkei“ bereits zur Berühmtheit in England geworden, hatte Schriftstellern wie Alexander Pope den Kopf verdreht. Mit ihrem Zirkel von Frauen wurde sie von ihm als „Sapho“ geschildert. Für  Lord Byron wurde sie später zur Inspiration seines Romans „Don Juan“. Mit 48 Jahren verliebt sie sich in den schönen halb so alten Algarotti. In Venedig bringen sie das Geld durch. - Algarotti wendet sich selbstbewußt an den König und Freund Friedrich, er solle bitte seine Schulden mit Lady Montagu bezahlen. Das Alles wäre nur eine frivole Hintertreppengeschichte um Eros von Herrn und Diener, um eine Mätresse Friedrichs in einem „männlichen Körper“, wäre dieser Philosoph Algarotti nicht der Ideengeber des Italienischen Potsdams und Lady Montagu nicht eine frühe Celebrity der Emanzipation

 

Mit oft fassadenhaften Nachbauten lässt Friedrich II eine imponierende Piazza entstehen. Von Casanova bis Goethe ist Europa zu Gast an diesem Musenhof und lernt das gebaute Ensemble ansonsten als Veduta in Stichen kennen.

 

Im 2. Weltkrieg wird Potsdam als Symbol des preußischen Militarismus bombardiert. Was von der Potsdamer Mitte stehen blieb, wurde von der DDR abgeräumt, so radikal bis hin zur Verwischung des Grundrisses an Parzellen. Eine Unkrautbrache ließ die Erinnerung an das Italienische Potsdam versinken und vergessen.

 

Nach der Zeitenwende von 1990 lebt die ganze Pracht wieder auf. Gegen alle Widerstände setzt sich die Rekonstruktion durch. Heute ist sie durch den Palazzo Barberini als Museumsbau berühmt. Der übertrifft mit seiner Lage und Terrasse am Ufer der

 

Havel sein Vorbild in Rom. Touristen erleben heute den hereingeholten Süden des Platzes als italienische „sfera pubblica“ mit Gastronomie.

 

Text und Bild: Rüdiger Stiebitz 

 

 

Was

Vortrag von Rüdiger Stiebitz

in deutscher Sprache 

 


Wann uND Wo

Mittwoch, 15, Oktober 2025, Uhr 17:00

Bispinghof 2, Münster

(Der Raum wird vor Ort ausgeschildert)

 

 

Inhalte von Google Maps werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf die Cookie-Richtlinie (Funktionell), um den Cookie-Richtlinien von Google Maps zuzustimmen und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in der Google Maps Datenschutzerklärung.